Gasthaus Habermehl/Mohr
Die traditionsreiche Wirtschaft konnte bis zu ihrer Schließung im Jahr 2016 auf über 400 Jahre Gaststättengeschichte zurückblicken. In einer Urkunde aus dem Jahr 1594 findet sich der Hinweis auf den Betrieb einer Herberge in dem Gasthaus.
Als gesichert gilt das Jahr 1789, denn seit dieser Zeit befand sich das Haus mit dem Dorfnamen „Rousches“ in Familienbesitz.
Gasthaus Habermehl
Der erste nachgewiesene Wirt zu jener Zeit war Joh. Heinrich Rausch (*1766 in Schadges). (Von ihm leitet sich der Dorfname ab). Auf ihn folgte sein Sohn, ebenfalls mit dem Namen Joh. Heinrich *1803 in Rixfeld. Die Beiden waren die Gaststätteninhaber von 1789 bis 1855.
Die Tochter Anna Margarethe Rausch heiratete 1855 Heinrich Beier (*1833) aus Stockhausen, der von 1855 bis 1867 als „Wirt und Spezereikrämer“ im Gemeindearchiv geführt wurde. Leider ist das Archiv 1945 verbrannt.
Tochter Katharina heiratete 1878 Johann Weygand Habermehl (*1846) aus Hergersdorf. Er betrieb das Geschäft von 1867 bis 1909. Im Mai 1882 wurde erstmalig eine “ amtliche Verkaufsstelle für Postfreimarken, Postkarten. usw.“ eingerichtet. W. Habermehl war Mitbegründer des Vogelsberger Sängerbundes und über Jahre als Rechner im Verein tätig.
Fast 100 Jahre stellten die Familien Habermehl und Mohr die Poststellenleiter. So wurde aus der Gastwirtschaft das „Gasthaus zur Post“
1909 übernahm sein Sohn Georg Karl Habermehl das gesamte Anwesen. Bis in die 1950er Jahre wurde, wie es in den Vogelsberger Dörfer üblich war, nebenbei eine kleine Landwirtschaft betrieben.
Karl Habermehl beim Mistfahren mit dem Pferdeschlitten
Weigand und Karl Habermehl Habermehl beim Heumachen
Karl war in erster Ehe mit Katharina Schäfer verheiratet. Ihre Trauung war am 26. März 1908. Aus dieser Ehe stammte Tochter Frieda.
Ihre Mutter verstarb noch im Kindbett. 1911 heiratete er deren jüngere Schwester Anna, die ihm zwei Söhne schenkte, wovon einer im Krieg gefallen ist.
Georg und Heinrich Habermehl mit ihrer Seifenkiste
Im Jahr 1945 übernahm Karl Habermehl für 4 Monate die Amtsgeschäfte als Bürgermeister.
Die Gastwirtschaft übergab er 1961 an seinen Enkel Karl Mohr (*1933 bis 2020).
Dieser heiratete 1962 Gertraud Küthe und die Beiden begannen mit einem größeren Umbau. Scheune und Stall mussten einem neuen Lebensmittelladen und neuen Gasträumen weichen. 1988 wurde der Lebensmittelladen geschlossen und ein Getränkemarkt eingerichtet.
Stammtisch beim Mohr
Heinrich Schött, Karl Götz und Karl Bellinger (von links)
Karl Mohr in seinem Element
Die Familie hatte vier Kinder.
Gastwirt Lutz-Paul Mohr, ältester Sohn von Karl, war seit 1991 Inhaber. Im Herbst 1993 entstanden durch Aufstockung des Gebäudes neue Gästezimmer und eine Wohnung mit Wintergarten.
Der Gasthof zur Post blieb bis 2016 in Familienbesitz, wurde danach aber geschlossen und später verkauft.






